Während dieser Artikel verfasst wird, führt erneut eine Studentin Verhaltensstudien in unserer Schimpansengruppe durch. Ihre Untersuchungen sind in verschiedene Phasen eingeteilt: zum einen wegen ihres Forschungsdesigns und zum anderen, da wir aufgrund der Coronapandemie besonders strenge Vorsichtsmaßnahmen bei den Affen treffen. Die Studentin arbeitet mit zwei präparierten Boxen, die jeweils aus zwei verschiedenen Fächern bestehen. Ein Fach enthält eine schmackhafte Belohnung für die Affen, das andere enthält die Apparatur, mit der sich der Mechanismus fernsteuern lässt. Wenn die Schimpansen die Klappe an der Oberseite öffnen, können sie eine kleine Belohnung aus der Box fischen. Anschließend kann die Forscherin aus der Ferne einen Knopf drücken, um die nächste Belohnung bereitzustellen. Getrockneter Mais hat sich als eine Delikatesse entpuppt, für die die Affen sich gerne ins Zeug legen.
Wenn die schlauen Affen den Trick durchschaut haben und es ihnen jedes Mal gelingt, die Belohnung zu ergattern, wird der Schwierigkeitsgrad erhöht. Dafür wird die Box auf einer dünnen Stange in einiger Entfernung vom Boden aufgestellt. Der Affe kann nun nicht mehr neben der Kiste sitzen und den Deckel öffnen, sondern muss sich auf die Kiste setzen. Dann lässt sich jedoch der Deckel nicht mehr öffnen. Der Affe muss also begreifen, dass sein eigenes Körpergewicht dem Erfolg im Wege steht und in einer gymnastischen Übung eine Körperposition finden, die es ihm ermöglicht, den Deckel zu öffnen. Die Tiere meistern auch diese neue Herausforderung recht schnell. Interessant ist, wie unterschiedlich Schimpansen als Individuen reagieren. Genau wie beim Menschen ist das eine Tier schneller und geschickter als das andere. Für die Schimpansen ist diese Box eine angenehme Abwechslung; auf wissenschaftlicher Ebene nutzt die Studentin das Experiment, um das „Körperbewusstsein“ der Affen zu testen.